RTO und RPO (Recovery Time Objective, Recovery Point Objective)
RTO (Recovery Time Objective) und RPO (Recovery Point Objective) sind die beiden Zielwerte jeder Wiederanlaufplanung. Das RTO beschreibt, wie lange ein Dienst maximal ausfallen darf; das RPO, wie viel Datenverlust — in Zeit gerechnet — hinnehmbar ist. Beispiel: Eine einzige nächtliche Sicherung um 23 Uhr bedeutet ein RPO von bis zu 24 Stunden. Beide Werte stammen aus der Business-Impact-Analyse der Fachbereiche, nicht aus der Technik; die Technik wird danach ausgewählt, nicht umgekehrt.
RTO und RPO (Recovery Time Objective, Recovery Point Objective) in der Praxis
Zwischen Zielwert und Wirklichkeit steht die gewählte Sicherungstechnik. Grobe Größenordnungen: Eine tägliche Sicherung ergibt ein RPO um 24 Stunden, Snapshots im Stundenraster entsprechend weniger, asynchrone Replikation liegt im Minutenbereich, synchrone Spiegelung nahe null — letztere allerdings nur über kurze Entfernungen, weil jede Schreiboperation auf die Bestätigung des zweiten Standorts wartet. Als konkreter Anhaltspunkt: Azure Site Recovery erzeugt bei der VM-Replikation alle fünf Minuten einen absturzkonsistenten Wiederherstellungspunkt, dieser Takt ist fest und nicht konfigurierbar; anwendungskonsistente Punkte sind minimal stündlich möglich, kosten aber Leistung, weil die Anwendung dafür kurz stillgelegt wird.
Beim RTO wird häufig nur die reine Rückspielzeit gerechnet. Realistisch gehören dazu auch Erkennung und Alarmierung, die Entscheidung über den Notfall, Bereitstellung von Rechenleistung und Netzwerk, Konsistenzprüfung und die fachliche Freigabe. Ein RTO gilt deshalb erst als belegt, wenn es mindestens einmal unter realistischen Bedingungen geprüft wurde — die 3-2-1-1-0-Regel führt die abschließende Null genau dafür: null Fehler bei der Verifizierung der Wiederherstellung.
Bei Ransomware kommt ein dritter Wert hinzu, der in keinem Backup-Bericht steht: der letzte nachweislich saubere Wiederherstellungspunkt. Er kann deutlich älter sein als der jüngste technisch vorhandene, weil Angreifer sich vor der Verschlüsselung oft wochenlang im Netz bewegen. Wer nur das RPO betrachtet, plant deshalb an diesem Szenario vorbei.